Bilgenboden unterm Cockpit

Bilgenboden unterm Cockpit

Beitragvon Alex » Donnerstag 30. August 2018, 10:01

Hallo Dehlyaner,

mal einige Fragen zur Bilge unterm Cockpitboden. Da ich bei meiner 2013 erworbenen Dehlya 25 (Bj 1988) der 5. oder 6. Besitzer bin, weiß ich leider nichts über den Originalzustand dieses Bootes, insbesondere, ob in der Bilge mal ein Innen-Motor verbaut war oder das Boot schon immer einen Außenborder hatte. Gab es eigentlich beide Varianten beim Neukauf?
In meiner Bilge ist quer ein ziemlich dickes Brett - vermutlich aus Bootssperrholz - verbaut. Sieht aus, als wurde das mit reichlich Dichtkleber (ähnlich dem Sikaflex 292i) auf den Gfk-Boden aufgeklebt (siehe Foto). Dahinter ist eine Sperrholz-Trennwand gleichfalls mit Dichtkleber hochkant eingeklebt.
Es sieht nicht aus, als sei das Originalbau. Ich mache mir nun Gedanken, wie es unter dem Bodenbrett aussieht. Könnte dort theoretisch der Saildrive-Ausgang eines Innenmotors gelegen haben, der beim Wechsel auf Außenborder zugebaut und mit dem Holzbrett versteift wurde? Oder passt das von der Position her nicht?
Mich interessiert dies deshalb, weil ich zum ersten Mal etwas Wasser in der Bilge stehen hatte. Oder ich habe zum ersten Mal die Pfütze bemerkt, weil ich die vom Vorgänger eingepasste Kunststoffmatte, die auf dem Boden ausgelegt war, beiseite genommen habe. Wie gesagt, war nicht viel Wasser. Da ich das Deck zuvor gereinigt und mit der Lanze abgesprüht hatte, kann das Wasser natürlich auch von oben gekommen sein. Allerdings waren die Dinge, die in der Bilge in einer oben offenen Kiste lagerten, komplett trocken - das Wasser war nur am Boden.
Hat jemand schon mal ähnliche Erfahrungen gemacht oder eine ähnliche Brett-Variante in seiner Bilge?
Und ist schon mal ein Fall bekannt geworden, dass ein verschlossener Saildrive-Ausgang undicht geworden ist bzw. das Laminat an dieser Stelle Wasser gezogen hat?
Danke schon mal für die Antworten und Fotos.
Gruß, Alex
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Bilge C.JPG
Bilge B.JPG
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Re: Bilgenboden unterm Cockpit

Beitragvon kabel69 » Donnerstag 30. August 2018, 12:44

Hallo Alex,

wie sieht denn die Stelle von unten am Rumpf aus? Ist da denn ein großes Loch zu sehen?

Von der Lage her könnte da schon ein Durchgang fürs Saildrive sein.

Gruß, Gerald
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Re: Bilgenboden unterm Cockpit

Beitragvon Alex » Donnerstag 30. August 2018, 13:00

Von unten ist überhaupt nichts zu sehen. Ich habe nun schon mehrmals Antifouling gerollt, wasche das Unterschiff zudem nach jedem Auskranen - da ist mir weder eine Öffnung noch eine Reparaturstelle oder ähnliches aufgefallen. Alles glatt und ohne Unterbrechungen oder Niveauunterschiede auf der Oberfläche. Auch gestern bin ich mal mit der Taucherbrille runter und habe nichts Auffälliges entdecken können.
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Re: Bilgenboden unterm Cockpit

Beitragvon kabel69 » Donnerstag 30. August 2018, 16:08

Wenn die AF-Schicht sehr dick ist, kann es einiges kaschieren. Also entweder im Herbst von unten an der Stelle mal das AF bis zum Gelcoat wegkratzen und gucken oder das Brett heraustrennen (Multimaster) und von innen gucken was da los ist. Wenn eine undichte Stelle im Rumpf wäre, würde sie beim auskranen auch etwas länger nachtropfen. Also da vielleicht auch mal genauer beobachten.

Viel Erfolg, Gerald
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Re: Bilgenboden unterm Cockpit

Beitragvon Uli » Donnerstag 30. August 2018, 22:14

Hallo,
ich vermute eher, dass irgendeiner der Voreigner dort einfach ein Brett eingeklebt hat um die Bordbatterie stabil befestigen zu können. Wenn ich mit die Sikasauerei anschaue....... machmal gehört das Zeug verboten.
Viele Grüsse
Uli
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Re: Bilgenboden unterm Cockpit

Beitragvon Alex » Freitag 31. August 2018, 16:06

Die Ursache ist gefunden.
Wieder einmal hat sich bewahrheitet, dass nicht dort, wo das Wasser steht auch die Eintrittsstelle ist. Nachdem ich zwei Tage das Boot im Hafen liegend kontrolliert habe und keinen weiteren Wassereintritt in der Bilge feststellen konnte, bin ich heute mal ein paar Runden „motort“. Und siehe da, wieder fand sich Wasser in der Bilge, diesmal mit eindeutiger Fließspur, so dass sich die undichte Stelle schnell finden ließ.
Und das war eine echte Überraschung: Das Wasser kommt auf Stb. durch die Naht, die den unteren Heckspiegel mit der Rumpfschale verbindet. Der Spiegel also, an dem das untere Teilstück der Motorschiene verbaut ist.
Und der Außenborder scheint auch die eigentliche Ursache zu sein. Wie ich feststellen konnte, wirkt die Schubkraft gerade an diesem Spiegel sehr stark. Das heißt, gerade bei Vollgas (und ich habe nur einen 8 PS Mercury) drückt der Motor über die unteren Schienen den Spiegel etwas nach innen. Genau an der Nahtstelle von Spiegel und Rumpfschale hat sich nun im Laufe der Zeit ein Haarriss im Gelcoat gebildet. Ich habe den bisher nicht weiter beachtet, weil diese Stelle ja in der Regel über der Wassergrenze liegt. Beim Motoren liegt die Stelle aber unter Wasser und der Motor, den ich immer an der untersten Schienenstellung fahre, drückt offenbar mit seiner Schubkraft den Riss noch etwas auseinander. Jedenfalls kommt das Wasser durch den Riss und bahnt sich seinen Weg durch die an einer etwa 10 cm langen Stelle überbeanspruchte und vermutlich poröse Harz-Naht.
Obwohl es im Blitzlicht-Foto wie Bauschaum aussieht (ich war beim ersten Betrachten schockiert), ist das Gelbe tatsächlich Harz. Der kleinste Segelkamerad am Steg hat sich mal nach ganz hinten in die Bilge gewagt (mit meinen 1,80 Meter hatte ich keine Chance) und den Test gemacht. Es ist wirklich knallhartes Harz und kein Bauschaum….
Als „Erste Hilfe“ hat der „Bilgentaucher“ die Stb.-Naht mit Sika 291i abgedichtet. Von außen habe ich nach provisorischer Trocknung zunächst mehrmals Crack-Filler in den Riss und weitere, kleinere Haarrisse fließen lassen. Nach der Trocknung habe ich die Stelle mit 3M-Dichtband (das, womit man Rohre und Dachrinnen abdichtet) überklebt. Das müsste bis zum Saisonende funktionieren und weiteren Wassereintritt verhindern. Zumal das Dichtband zwar knallfest anliegt, aber sehr flexibel ist und so kleinere Bewegungen mitgeht.

In der Halle will ich das Problem dann richtig angehen, überlege aber noch, wie ich das am besten anstelle. Von innen kann man an dieser Naht nicht vernünftig arbeiten. Also muss der „Angriff“ von außen erfolgen. Ich überlege, ob ich entlang der Naht das Gelcoat auf 1 – 2 cm abschleife bzw. fräse und dann die Naht mit angedicktem Epoxidharz stabilisiere. Anschließend neues Gelcoat drauf. Oder ob ich die Baustelle breiter fassen sollte und das Ixel zwischen Spiegel und Rumpfschale gleich überlaminieren sollte. Sieht dann zwar besch… aus mit so einer Wulst, aber es wäre stabiler.

Was meint Ihr???? Bin über jede Empfehlung dankbar.

Grüße, Alex
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Bild 4.JPG
Haarriss im Gelcoat (von außen fotografiert)
Bild 3.JPG
Undichte Nahtstelle auf etwa 10 cm.
Bild 2.JPG
Eintrittsstelle des Wassers an der Naht zwischen Heckspiegel und Rumpfschale
Bild 1 .JPG
Fließspur in der Bilge
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Re: Bilgenboden unterm Cockpit

Beitragvon Uli » Freitag 31. August 2018, 20:15

Hallo,
ich will dir keine Angst machen und auch ungern "Klugscheissen" ........
aber du musst dir darüber im klaren sein, dass die Naht zwischen Rumpf und Heckspiegel gerissen ist. Dies sicherlich schon länger und mit Wissen eines oder mehrerer Deiner Voreigner. Denn: Die gelbe Epoxidwurst ist nicht orignal, also hat einer Deiner Voreigner hier schon (nicht fachgerecht) versucht zu dichten. Deine Sikaflexlösung macht die Sache an dieser Stelle nicht besser. Auch wenn es hart klingt: du musst den Bereich massiv verstärken, denn die Nahtverbindung ist gebrochen.
Hier musst du von beiden Richtungen arbeiten:
- Direkt nach dem Auskranen, wenn also noch Wasser in der aufbrochenen Naht ist, aussen zunächst die Naht mit einem Kompressor ausblasen. Dann siehst du sofort wo überall das Wasser rausschiesst. Du wirst dich an dieser Stelle wundern.
Hatte ich bei mir auch nachdem auf der Autobahn am Stauende stehend jemand in mein Heck gerauscht ist.
Dann aussen die Naht aufdremeln und mit angedickten Epoxi wieder verfüllen, beischleifen und mit Gelcoat überpinseln. Das Gelcoat kannst du zum Schluss feinst schleifen und polieren, dann sieht alles aus wie neu.
- Die eigentliche Reparatur muss aber von innen erfolgen ( so hat es seinerzeit Theo Kordt bei meinem Boot gemacht)
Du musst in die Backskiste krabbeln, mit einem Multimaster die alte Epoxiwurst und vor allem das Sika entfernen, alles anschleifen, sprich aufrauen, dann entstauben und entfetten. Dann Epoxid anrühren, andicken mit Verdickungspulver, eine Hohlkehle in die Naht spachteln und dann sofort drei vier Lagen Glasmatte im Winkel über die Hohlkehle laminieren. Erst das verstärkt die gebrochene Naht.
Ist ne sch..... Arbeit, aber alles andere ist Flickwerk und wird früher oder später wieder undicht.
8 PS am Heck haben nunmal ne Menge Hebelkraft am Heck.
Tut mir Leid für die deutlichen Worte, aber so ist es nüchtern betrachtet.
...... und dann noch......
die Sikanaht rund um den Ruderschaft gehört da auch nicht hin. Da ist sicherlich auch was gerissen.
Gleich in einem Rutsch mit bearbeiten. Sika mit dem Multimaster entfernen alle anschleifen, entfetten und entstauben und zwei drei Lagen Matte winkelförmig aufbringen.
Tippfehler sind hier der Handytastatur geschuldet, die verträgt sich nicht mit meinen Wurstfingern. :D

Viele Grüsse
Uli...... gerade in Friesland unterwegs
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Re: Bilgenboden unterm Cockpit

Beitragvon kabel69 » Samstag 1. September 2018, 12:06

Hallo,

jetzt lass dich mal nicht verrückt machen. Ich meine, dass diese Harzwurst, die wie Bauschaum aussieht, original werftgemacht aussieht. Die Form kann so nur entstehen, wenn der Spiegel und der Rumpf stumpf aufeinandergedrückt werden, nachträglich gemacht würde das anders aussehen.

Fakt ist, dass man von innen nicht ran kommt. Kinder möchte man ja für diese zeitaufwändigen und staubigen Arbeiten nicht heranziehen. :( Also kommt nur eine Sanierung von außen in Frage. Da an der Stelle die Materialien recht dick sein müssten, kannst du vom Schlitz weg trichterförmig und großflächig nach außen schleifen (mind 5 cm in jede Richtung). Am Schlitz nimmst du fast das ganze Material weg, nach außen hin dann immer weniger. Jetzt hast du Platz zum laminieren. Dafür würde ich dünnes Gewebe nehmen, z.B. 160er. Damit kannst du jetzt wieder so viel Material aufbringen, wie du zuvor abgeschliffen hast. Dann alles beischleifen bis es wieder eben ist. Dann Gelcoat rauf. Wenn es sorgfältig gemacht wird, sieht man danach kaum noch was. Dann würde ich die Motorschiene demontieren und eine breitere Metallplatte o.ä. unterlegen, damit sich die Kräfte des Motors auf eine größere Fläche verteilen.

Gruß, Gerald
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Re: Bilgenboden unterm Cockpit

Beitragvon Alex » Samstag 1. September 2018, 16:44

Hallo Uli, hallo Gerald,

vielen Dank für eure Antworten und Vorschläge.

Zum Vorschlag von Uli:
Das klingt nach einer wirklich perfekten, lehrbuchhaften Reparatur, die in der Praxis bei der Dehlya25 so aber nicht funktioniert. Ich habe heute das Hochkant-Brett aus der Bilge ausgebaut, so dass ich mit meinen 1,80 Metern nun auch dort hinein passe. Wenn ich mich ganz nach hinten schiebe, den Kopf am Ruderschaft habe und meinen Arm maximal ausstrecke, dann komme ich gerade mal mit den Fingerspitzen an die Naht heran. Ein Arbeiten mit Multimaster, Schleifpapier, Harz und Matte ist so absolut unmöglich. Bei der Dy22 ist das anders, da kommt man noch heran, wie ich mich heute selbst bei einem Segelfreund überzeugen konnte. Bei der DY25 ausgeschlossen!
Die in meinen Bildern zu sehende "Harzwurst" fügt sich ununterbrochen an die weniger "wurstigen" Harznahtstellen an, so dass ich wie Gerald denke, dass das Original ist und die DY-Bauer damals auch keine Möglichkeit hatten, die Fuge zu glätten, sondern nur das Deck auf einen riesigen Harzschlauch aufgesetzt haben. Bei der DY22 meines Kumpels ist die Harzfuge jedenfalls glatt gezogen.

Vielleicht kann ja der eine odere andere Besitzer einer 25er hier im Forum mal mit Kamera oder Handy ein Foto von seiner Bilge bzw. hinteren Nahtstelle machen. Ich würde mir das gerne anschauen. Auch unter dem Gesichtspunkt der Motorschienen-Befestigung. Bei mir sieht es nämlich so aus, als seien die Schrauben einfach ins GFK eingedreht und mit Sika abgedichtet worden. Bisher hatte ich gedacht, die seien mit Maschinenschrauben und Muttern befestigt...

So bleibt mir dann nur der "Angriff" von außen, ähnlich wie es Gerald hier erläutert hat. Also abschleifen, Naht mit angedicktem Epoxi verstärken, trocknen lassen, anschleifen und dann nass in nass drei Lagen Matte laminieren - zwei mittlere und oben eine dünne. Oder?

Dann wieder schleifen und mit Gelcoat abdichten.

Der Vorschlag mit der Platte (Gerald) unter den Schienen klingt gut, ist aber, denke ich, nicht praktikabel. Weil die unteren Schienen dann zu hoch stehen und die Rollen des Motorschlittens diesen Niveauunterschied nicht meistern werden.

Liebe Grüße, Alex
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Re: Bilgenboden unterm Cockpit

Beitragvon kabel69 » Sonntag 2. September 2018, 13:26

Hallo Alex,

da auf deinen Fotos innen am Heck auf jeder Seite eine senkrechte Verdickung genau da ist, wo die Motorschiene lang geht, vermute ich, dass da auch wie überall Aluprofile einlaminiert wurden. Sie sind mit einem Gewinde versehen und die Schiene von außen ist mit Maschinenschrauben befestigt.

Vielleicht ist auch der Angriff vom hinteren Cockpitboden von oben eine Option? Also den Cocpitboden öffnen, dann kommt man auch von innen an den Hechspiegel ran. Dann wieder alles zulaminieren. Wenn dann deinen Cockpitboden mit Teak oder ähnlichem belegen willst, sieht man von der Reparatur garnichts mehr. ;)

Der Motor ist doch auf dem Motorschlitten befestigt. Vielleicht kann man den Motorschitten im runtergefahrenen Zustand mit der Rückseite irgendwie auf der dicken Hecksicke aufliegen lassen (z.B. mit einem angebrachten Winkelblech), damit die Schubkräfte unter Motorfahrt verteilt werden. Durch dieses untere Widerlager würde dann der Motor an der Schiene nicht mehr drücken.

Gruß, Gerald
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