Wasserballast in Frischwassertank und Stauraum umwandeln
Verfasst: Freitag 24. Juni 2016, 09:48
Hallo in die Runde,
nachdem ich hier im Forum Infos für mich bekommen habe und dabei auch gelesen habe, dass es diverse Überlegungen zum Wasserballast gibt, möchte ich hierzu meinen Beitrag schreiben.
Dehlya 25, Bj. 1985, Rumpfnummer 247. gekauft 2008.
Hauptverwendungszweck: Urlaub in Kroatien möglichst „autark“, also fern von Marinas, übernachten fast immer in Buchten vor Anker.
Vorbemerkung: Den Aufwand, den ich nachfolgend beschreibe, habe ich im Jahr 2009 bewusst getrieben, um mein Ziel (s.o.) mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen. Dieser Bericht soll rein eine Information darstellen.
Im ersten „Probesegelsommer“ an einem See hatte ich festgestellt, dass das Wasserballast-Ventil immer offen stand. Wenn man eine Weile „lage“ segelt, dann entleert sich der Wasserballast teilweise und bringt somit keinen ernsten Stabilitätsgewinn. Übrigens hatte dieses Boot die Betätigung für das Ventil an steuerbord neben dem Niedergang, nicht wie offenbar später üblich am Kielkasten.
Wir (meine Frau, Junior und ich) benötigen für die langen Aufenthalte fern von Frischwasser einen großen Wassertank. Der Ballasttank sollte dafür herhalten. Er unterteilt sich in 3 untereinander verbundene Kammern, zwischen denen sich breite Quer-Verstärkungsstreben befinden: 1. Kammer vor und neben dem Kielkasten, 2. mittschiffs und 3. der kleinste Teil beim Niedergang.
Die vordere und hintere Kammer wollte ich als Tank für Frischwasser erhalten, die mittlere als Stauraum nutzen.
Mit einer Trennscheibe (für Edelstahl 1 mm dick) trennte ich zuerst zwei Öffnungen beidseits unter den vorderen Bakskistendeckeln heraus. Nun sah ich mit Lampe und Spiegel, dass es auch im Mittelteil kein Problem geben würde. Dann folgte der große Schnitt im Hauptboden.
Dort wo Rumpf und Boden zusammenlaufen, also in den hintersten Ecken im Bakskistenbereich bei den Quer-Verstärkungsstreben, waren die einzelnen Tankbereiche korrekter weise nicht komplett voneinander getrennt, für meinen Zweck also „nicht dicht“. Hier musste ich den vorderen und hinteren Tank gegenüber dem Mittelteil abdichten. Der hintere Tank musste im untersten Bereich noch eine Platte einlaminiert bekommen um die Kammer zu schließen – helle Platte auf dem 2. Foto. Das defekte Ballasttank-Ventil habe ich entfernt, dort kam ein Schlauch zum Seewasserzapfen dran.
Die Tanks sind mit Schläuchen bzw. Rohren so verbunden, dass man sie von einer Bakskiste hinten in der Plicht (keine Gefahr wenn etwas über läuft – und es läuft über … ) auch über Kanister befüllen kann, sowie das Wasser gezielt aus dem vorderen oder hinteren Tank entnehmen kann und im Zweifelsfall (Sturm) auch mit Seewasser befüllen kann. War bisher nicht nötig.
Das abgetrennte Bodenteil habe ich als Klappdeckel ausgeführt.
Wegen Stabilität sehe ich kein Problem, die von mir erstellten Öffnungen sind umgeben von kräftigen Streben, die die Lasten im Boot aufnehmen. Eine Veränderung in dem 1 mm breiten Spalt um den Deckel herum war nicht zu beobachten.
Den vertieften Mittelteil des Rumpfs, auf dem das Boot auf dem Trailer steht, hat Dehler netter Weise so breit gemacht, dass Standard-KFZ-Akkus hinein passen, wenn man vorher die Befestigungsrippen längs unten am Akku entfernt. Somit sind an der tiefsten Stelle im Boot der 100 Ah Versorgungsakku und der 45 Ah Starterakku (55 Ah sollten auch passen) untergebracht. Den restlichen Raum füllen Pumpen, eine Umkehrosmose-Trinkwasserfilteranlage (filtert das Wasser aus den Tanks) und andere eher schwere Gegenstände wie Werkzeug, Konserven ...
Auch wenn sich die Arbeit nicht an einem Wochenende erledigen ließ, hat es sich voll gelohnt und bewährt. Einziges störendes Detail: schon bei leichtem Schwell in der Bucht gerät das kleine Boot ganz schön ins schaukeln und folglich rauscht das Wasser bei ca. halb vollem hinteren Tank von einer Seite auf die andere. Das ist nicht schlimm, kann aber nervig werden. Hier könnte man längs, mittig ein Prall-Schott im Tank vorsehen, das muss nicht absolut dicht sein, nur das volle Rauschen unterbinden.
Für die, die auch am Meer unterwegs sind und sich über die Wasserversorgung Gedanken machen: Ich habe eine Meerwasserpumpe eingebaut: um Hände, Geschirr usw. vor-zuwaschen wird das Meerwasser benutzt. Ich rede hier von klarem Wasser in unbewohnten Buchten in Kroatien.
----------
Als ich im Forum über den Ballasttank gelesen habe, stieß ich auf eine Meinung, dass der Tank für Osmose am Rumpf außen verantwortlich sei.
Wenn man am Unterwasserschiff (außen) Osmose feststellt und meint, dass der Schaden vom Ballasttank kommt, müsste der Rumpf aus meinem Verständnis her doch schon irreparabel geschädigt sein, das gesamte Laminat eine einzige Osmoseblase sein – doch bin ich hier nicht vom Fach und habe diesbezüglich auch keine Erfahrung und ich will auch hier keine Osmosediskussion anzetteln.
Der Gedanke, wenn Osmose außen am Rumpf entstehen kann, sie genau so gut auch im Ballasttank entstehen kann, ist logisch. Aber vielleicht wirken außen doch mehr „feindliche Kräfte“ als innen im Tank. –> Im Tankbereich konnte ich in meinem Fall keinerlei Schäden feststellen. Die Oberfläche war nach einer simplen Reinigung fast wie neu!
Beim Rumpf sah die Sache etwas anders aus:
Meine Dehlya hatte nach dem Entfernen diverser undefinierbarer Anstrichschichten im Unterwasserschiff beim An- und folgendem Abschleifen einer 2K Beschichtung, die auch von den Vorbesitzern stammten musste und nicht von Dehler, „sonderbare“ oberflächliche, kleine Pusteln. Das Schiff stand bei dieser Arbeit schon Monate an Land, Feuchtigkeitseinschlüsse in den Pusteln konnte ich nicht erkennen, auch keinen üblen Geruch wahrnehmen – außer den aus meinen eigenen Poren, bei dieser schweißtreibenden Arbeit.
Eine Total-Rumpfsanierung kam für mich ohnehin nicht in Frage, somit kamen auch keine Messgeräte oder Fachleute zu Rate. Was auch immer diese Pusteln wirklich genau sein sollten, ich schliff ich den Rumpf glatt, die Pusteln waren angeschliffen, dann so gut es ging gewaschen und getrocknet. Das Gelcoat entfernte ich nicht. Darauf kamen ein paar Lagen 2K-Beschichtung von Hand. Das ist 7 Jahr her.
Ich bohrte damals für ein Log ein Loch in den Rumpf und staunte, wie dick er bei diesem Schiffchen ist (das Maß habe ich leider heute nicht mehr). Wann, wenn überhaupt aus den kleinen Pusteln bei meinem Schiff ein ernsthafter struktureller Schaden entstehen sollte, weiß ich nicht. Jedenfalls bin ich bis heute schon einige Sommer unterwegs gewesen und der Rumpf wellt sich noch nicht unter den Hebegurten beim Kranen. Und wenn ich lese, dass neue großvolumige Kleinyachten aus Polen einen Rumpf haben, den man von Hand etwas eindrücken kann, dann bin ich noch lange auf der sicheren Seite – schon mal bei Dehlya gegen den Rumpf gedrückt?
Beste Grüße
nachdem ich hier im Forum Infos für mich bekommen habe und dabei auch gelesen habe, dass es diverse Überlegungen zum Wasserballast gibt, möchte ich hierzu meinen Beitrag schreiben.
Dehlya 25, Bj. 1985, Rumpfnummer 247. gekauft 2008.
Hauptverwendungszweck: Urlaub in Kroatien möglichst „autark“, also fern von Marinas, übernachten fast immer in Buchten vor Anker.
Vorbemerkung: Den Aufwand, den ich nachfolgend beschreibe, habe ich im Jahr 2009 bewusst getrieben, um mein Ziel (s.o.) mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen. Dieser Bericht soll rein eine Information darstellen.
Im ersten „Probesegelsommer“ an einem See hatte ich festgestellt, dass das Wasserballast-Ventil immer offen stand. Wenn man eine Weile „lage“ segelt, dann entleert sich der Wasserballast teilweise und bringt somit keinen ernsten Stabilitätsgewinn. Übrigens hatte dieses Boot die Betätigung für das Ventil an steuerbord neben dem Niedergang, nicht wie offenbar später üblich am Kielkasten.
Wir (meine Frau, Junior und ich) benötigen für die langen Aufenthalte fern von Frischwasser einen großen Wassertank. Der Ballasttank sollte dafür herhalten. Er unterteilt sich in 3 untereinander verbundene Kammern, zwischen denen sich breite Quer-Verstärkungsstreben befinden: 1. Kammer vor und neben dem Kielkasten, 2. mittschiffs und 3. der kleinste Teil beim Niedergang.
Die vordere und hintere Kammer wollte ich als Tank für Frischwasser erhalten, die mittlere als Stauraum nutzen.
Mit einer Trennscheibe (für Edelstahl 1 mm dick) trennte ich zuerst zwei Öffnungen beidseits unter den vorderen Bakskistendeckeln heraus. Nun sah ich mit Lampe und Spiegel, dass es auch im Mittelteil kein Problem geben würde. Dann folgte der große Schnitt im Hauptboden.
Dort wo Rumpf und Boden zusammenlaufen, also in den hintersten Ecken im Bakskistenbereich bei den Quer-Verstärkungsstreben, waren die einzelnen Tankbereiche korrekter weise nicht komplett voneinander getrennt, für meinen Zweck also „nicht dicht“. Hier musste ich den vorderen und hinteren Tank gegenüber dem Mittelteil abdichten. Der hintere Tank musste im untersten Bereich noch eine Platte einlaminiert bekommen um die Kammer zu schließen – helle Platte auf dem 2. Foto. Das defekte Ballasttank-Ventil habe ich entfernt, dort kam ein Schlauch zum Seewasserzapfen dran.
Die Tanks sind mit Schläuchen bzw. Rohren so verbunden, dass man sie von einer Bakskiste hinten in der Plicht (keine Gefahr wenn etwas über läuft – und es läuft über … ) auch über Kanister befüllen kann, sowie das Wasser gezielt aus dem vorderen oder hinteren Tank entnehmen kann und im Zweifelsfall (Sturm) auch mit Seewasser befüllen kann. War bisher nicht nötig.
Das abgetrennte Bodenteil habe ich als Klappdeckel ausgeführt.
Wegen Stabilität sehe ich kein Problem, die von mir erstellten Öffnungen sind umgeben von kräftigen Streben, die die Lasten im Boot aufnehmen. Eine Veränderung in dem 1 mm breiten Spalt um den Deckel herum war nicht zu beobachten.
Den vertieften Mittelteil des Rumpfs, auf dem das Boot auf dem Trailer steht, hat Dehler netter Weise so breit gemacht, dass Standard-KFZ-Akkus hinein passen, wenn man vorher die Befestigungsrippen längs unten am Akku entfernt. Somit sind an der tiefsten Stelle im Boot der 100 Ah Versorgungsakku und der 45 Ah Starterakku (55 Ah sollten auch passen) untergebracht. Den restlichen Raum füllen Pumpen, eine Umkehrosmose-Trinkwasserfilteranlage (filtert das Wasser aus den Tanks) und andere eher schwere Gegenstände wie Werkzeug, Konserven ...
Auch wenn sich die Arbeit nicht an einem Wochenende erledigen ließ, hat es sich voll gelohnt und bewährt. Einziges störendes Detail: schon bei leichtem Schwell in der Bucht gerät das kleine Boot ganz schön ins schaukeln und folglich rauscht das Wasser bei ca. halb vollem hinteren Tank von einer Seite auf die andere. Das ist nicht schlimm, kann aber nervig werden. Hier könnte man längs, mittig ein Prall-Schott im Tank vorsehen, das muss nicht absolut dicht sein, nur das volle Rauschen unterbinden.
Für die, die auch am Meer unterwegs sind und sich über die Wasserversorgung Gedanken machen: Ich habe eine Meerwasserpumpe eingebaut: um Hände, Geschirr usw. vor-zuwaschen wird das Meerwasser benutzt. Ich rede hier von klarem Wasser in unbewohnten Buchten in Kroatien.
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Als ich im Forum über den Ballasttank gelesen habe, stieß ich auf eine Meinung, dass der Tank für Osmose am Rumpf außen verantwortlich sei.
Wenn man am Unterwasserschiff (außen) Osmose feststellt und meint, dass der Schaden vom Ballasttank kommt, müsste der Rumpf aus meinem Verständnis her doch schon irreparabel geschädigt sein, das gesamte Laminat eine einzige Osmoseblase sein – doch bin ich hier nicht vom Fach und habe diesbezüglich auch keine Erfahrung und ich will auch hier keine Osmosediskussion anzetteln.
Der Gedanke, wenn Osmose außen am Rumpf entstehen kann, sie genau so gut auch im Ballasttank entstehen kann, ist logisch. Aber vielleicht wirken außen doch mehr „feindliche Kräfte“ als innen im Tank. –> Im Tankbereich konnte ich in meinem Fall keinerlei Schäden feststellen. Die Oberfläche war nach einer simplen Reinigung fast wie neu!
Beim Rumpf sah die Sache etwas anders aus:
Meine Dehlya hatte nach dem Entfernen diverser undefinierbarer Anstrichschichten im Unterwasserschiff beim An- und folgendem Abschleifen einer 2K Beschichtung, die auch von den Vorbesitzern stammten musste und nicht von Dehler, „sonderbare“ oberflächliche, kleine Pusteln. Das Schiff stand bei dieser Arbeit schon Monate an Land, Feuchtigkeitseinschlüsse in den Pusteln konnte ich nicht erkennen, auch keinen üblen Geruch wahrnehmen – außer den aus meinen eigenen Poren, bei dieser schweißtreibenden Arbeit.
Eine Total-Rumpfsanierung kam für mich ohnehin nicht in Frage, somit kamen auch keine Messgeräte oder Fachleute zu Rate. Was auch immer diese Pusteln wirklich genau sein sollten, ich schliff ich den Rumpf glatt, die Pusteln waren angeschliffen, dann so gut es ging gewaschen und getrocknet. Das Gelcoat entfernte ich nicht. Darauf kamen ein paar Lagen 2K-Beschichtung von Hand. Das ist 7 Jahr her.
Ich bohrte damals für ein Log ein Loch in den Rumpf und staunte, wie dick er bei diesem Schiffchen ist (das Maß habe ich leider heute nicht mehr). Wann, wenn überhaupt aus den kleinen Pusteln bei meinem Schiff ein ernsthafter struktureller Schaden entstehen sollte, weiß ich nicht. Jedenfalls bin ich bis heute schon einige Sommer unterwegs gewesen und der Rumpf wellt sich noch nicht unter den Hebegurten beim Kranen. Und wenn ich lese, dass neue großvolumige Kleinyachten aus Polen einen Rumpf haben, den man von Hand etwas eindrücken kann, dann bin ich noch lange auf der sicheren Seite – schon mal bei Dehlya gegen den Rumpf gedrückt?
Beste Grüße