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Vorstellung & Fragen

Verfasst: Montag 21. September 2026, 18:57
von mw.dd
Hallo,

kurz zur Vorstellung:
Ich heiße Micha, komme aus Dresden, bin Mitte 50 und habe das Segeln eher spät für mich entdeckt. Mein Revier ist der Senftenberger See bzw. das dort entstandene Lausitzer Seenland. Dort bin ich Mitglied in einem Segelverein.

Ich habe mit einer Ixylon angefangen, hatte dann eine FAM und jetzt einen Stöberl Kimmkieler (Twin). Im Zusammenhang mit der dieses Jahr erfolgten Öffnung der Kanäle zwischen den Seen im Seenland (jetzt 5, später 8) sowie die Bilder eines Vereinskollegen, der regelmäßig mit einer Greif zwischen Rügen und Usedom unterwegs ist, bin ich jetzt ein bisschen angefixt, was längere Bootstouren & Bootsurlaube angeht.

Dafür bin ich auf einer eher mittelfristig angelegten Suche nach einem passenden Kajütboot für mein Heimatrevier und den geschützten Revieren der Ostsee. Es soll brauchbar auf den YS-Regatten im Verein segeln (ich will nicht Letzter werden, schon gar nicht mit Abstand ;) ), Mindest-Wohnkomfort für zwei bieten und sich mit einem PKW ziehen lassen (jetzt 1,8t zulässig). Anlaufen am Strand soll möglich sein, und wenn’s dann noch einigermaßen stabil im Wasser liegt, wäre es perfekt.

Bisher an Kajütbooten gesegelt bin ich:
FAM - zu lahm
Varianta 65 - auch nicht wirklich fix, dazu eher nicht “stabil”, Konzept wirkt “alt”
Storm 22 - gefällt mir, ist aber gebraucht kaum zu bekommen
Deltania 20.5s - zu wenig “stabil”, und man sitzt nicht gut in der Kajüte
Greif - ich habe schon zwei Kentern sehen, und das macht anschließend einen Haufen Arbeit, und so richtig sportliches Segeln geht auch nicht


Im Verein gibt’s noch eine Jantar 21 und eine Skippi 650, die ich mal probieren könnte, aber beide wahrscheinlich zu sportlich und zum “Wohnen” eher ungeeignet.

Die Dehlya 22 ist auf Grund vieler ganz positiver Berichte auf meiner Liste gelandet, auch wenn ich eigentlich kein Boot kaufen wollte, was älter als 30 Jahre ist. Das große Angebot an Gebrauchten wirkt sich da positiv aus. Auf der Liste stehen u.a. auch noch die Jeanneau Sun 2000 (könnte knapp werden mit den 1,8t) und diverse Polenkreuzer (Maxus/Deltania 22s, Sportina 680 etc.)

Fragen zur Dehlya 22:
Wie sitzt man zu zweit in der Kajüte? Kann bitte jemand ein Bild zeigen, damit ich das ungefähr abschätzen kann?
Es werden immer 4 Probleme mit der Dehlya genannt:
- weiches Deck am Mastfuß
- Hubkielmechanik
- ausgeschlagenes Ruder
- Osmose im Ballasttank
Wie ernst sind denn diese Probleme? Ich habe durchaus keine zwei linken Hände, aber keine Halle, in der ich im Winter werkeln kann. Und von April bis Oktober will ich eigentlich segeln…
Ist hier im Forum jemand, der mich im Umkreis von max. 120 km um Dresden (also Seenland, Leipzig oder so) mal sein Dehlya 22 besichtigen lassen würde?

Ich würde mich freuen, wenn mich jemand bei der Entscheidung unterstützen könnte und mir meine Sorge davor nimmt, mir eine teure Baustelle ins Haus zu holen, die ich dann nach wenigen Jahren wieder abstoße, weil ich die Nase voll habe… Zum Dank bleibe ich dann länger hier ;)

Re: Vorstellung & Fragen

Verfasst: Montag 21. September 2026, 22:56
von donnie
Moin,

ich kann dir nur etwas zur Dehlya 25 sagen & wohne auch deutlich weiter, als 120km entfernt, aber vllt. hilft es dir:

Der Spagat zwischen Wohnkomfort und Rennziege ist immer so eine Sache. Was für Boote wären denn so deine potenziellen Gegner? So könnte man einschätzen, wie sich eine Dehlya schlagen würde. Hier msl zur groben Einschätzung, denn die Dehlya 22 und 25 sind grundsätzlich ähnlich flink, wobei die 22er einen Gewichtsvorteil hat.
Bei uns auf dem Revier sieht es wiefolgt aus:

Dehlya 25 ist schneller:
- Greif mit voller Tourenausstattung
- Sun 2000
- Varianta 65
- Jaguar 22
- FAM

Dehlya 25 ist langsamer:
- Sportina 680
- Skippi 650 (Hubkiel mit Bleibombe)
- Storm 22
- Maxus 22 (Hubkiel und Seerigg)
- 20er Jollenkreuzer
- die meisten 15er Jollenkreuzer
- Raptor 26
- Maxus 26
- Maxus 24 evo

Ähnlich schnell (je nach Windbedingungen):
- Maxus 24 (ohne evo - also die alte Variante)

(Alle vergleiche ohne Spi auf keinem der Boote. Ohne Spi wird die offizielle YS von 114 der Dehlyas zudem auch nicht erreicht.)

Im Innenraum einer Greif (15er Jollenkreuzer sehr Tourenlastig) ist in etwa so viel - vllt etwas weniger Platz, wie in einer Dehlya 25.

Bzgl. der 4 genannten Probleme:

Bei vielen Dehlyas wurde der Maststuhl bereits repariert. Wenn bei der Reparatur der ehemalige Holzkern gegen Kunststoff ausgetauscht wurde, ist das kein Thema mehr. Darauf würde ich persönlich beim Kauf achten / den Verkäufer dazu befragen.

Die ausgeschlagenen Ruderlager sind am Ende POM-Hülsen, welche in eine Aluminiumrohr eingeklebt sind. Die hatte ich damals bei meiner Dehlya 25 ausgetauscht und bereits bei zwei weiteren Dehlyas aus dem Verein. Aus meiner Sicht kein Thema.

Das mit der Osmose im Wasserballast habe ich auch schon häufiger gehört, aber einen bestätigten Fall hatte ich bisher nicht gesehen.

Der Hubkiel muss irgendwann mal ausgebaut werden - dafür muss man das Boot hoch heben können.
In den Kielkasten konnte man ein Revisionsluk einbauen, worüber man dann auch die Spindel nachfetten. Das kann den Ausbau natürlich heraus zögern.
Wenn das Boot im Wasser liegt, kann man über diese Luke auch ein Video von der Spindel machen und so prüfen, ob diese eiert oder gerade läuft (Kiel natürlich dabei hoch kurbeln).

Allgemein:
Ansonsten muss ich leider sagen, dass die Dehlyas konstruktiv natürlich in die Jahre gekommen sind. Modernere Risse, wie Storm, Maxus, Focus und Co sind i.d.r. potentiell schneller und bieten meistens mehr Wohnkomfort, breiteres Cockpit und Höhe in der Kajüte auf gleicher Länge und Breite, aber liegen nicht im gleichen Preisegment.

Ich selbst bin vor 4 Jahren auf eine Maxus 26 umgestiegen umd bereue den Schritt nicht, obwohl der Grund des Umstiegs nicht darin begründet war, dass ich mit der Dehlya 25 in irgendeiner Weise nicht zufrieden war.

Handbreit, Kai

Re: Vorstellung & Fragen

Verfasst: Mittwoch 23. September 2026, 18:42
von AnnackerW
Guten Abend,

ich bin sehr überrascht, dass Du auf Deiner Liste kleine Dehler 22 führst.

Aus ähnlichen Überlegungen wie Du, habe ich vor 18 Jahren nach einen Boot Ausschau gehalten.

Ich wollte Wohnkomfort, Eignung mit einem PkW ( 1,8 to ) trailerbar und auch für die Ostsee geeignetes Boot kaufen.

Bei der Dehlya störte mich der Hubkiel, der Wasserbalast - d.h. die Schwachstellen und der Wartungsaufwand.

Als Alternative habe ich eine Dehler 22 erworben.

Lokal konnte ich auf unseren Stegregatten mich gut platzieren / Edersee Liegeplatz.

Sie ist auch bedingt geeignet für küstennahes Segeln auf der Ostsee ( mache ich aus Gründen des Aufwandes seit einigen Jahren jedoch nicht mehr - Charter ist bequemer und ermöglicht auch segeln, wenn der 'Wind bei 5 - 7 Bft bläst !!!

Natürlich ist der Platz auf der 22-Fuß Minijacht begrenzt. Schlafen und Leben sind mit 2 Personen gut meisterbar.

Die Dehler 22 wird etwas teurer gehandelt als die Dehlya 22, aber der Festkiel macht sich auf dem Wasser deutlich bezahlt.

Bitte bedenken Festkiel bedeutet kranen !!

Ich bereue nicht dieses Boot erworben zu haben. Gruß Winfried

Re: Vorstellung & Fragen

Verfasst: Mittwoch 30. September 2026, 10:20
von mw.dd
Also erstmal danke für die Antworten; so toll klingt das nun ja nicht...

Eine 25 kommt wegen Gewicht nicht in Frage und ist außerdem zu Groß für meine Zwecke. Maximum ist 7m Lüa, besser etwas weniger.
Festkiel ist wegen Liegeplatz und Slippen ebenfalls raus.

Ich bin heute Abend dienstlich in Berlin und gehe mir mal eine 22 anschauen, damit ich einen optischen Eindruck bekomme.
donnie hat geschrieben: ↑Montag 21. September 2026, 22:56 (Alle vergleiche ohne Spi auf keinem der Boote. Ohne Spi wird die offizielle YS von 114 der Dehlyas zudem auch nicht erreicht.)
Echt nicht? Ich segele auf einem Binnensee und die Clubregatten sind meist Up/Down. Da käme mir der angeblich so gute Wendewinkel an der Kreuz doch entgegen?

Re: Vorstellung & Fragen

Verfasst: Donnerstag 1. Oktober 2026, 15:24
von mw.dd
Ich war gestern eine Dehlya 22 anschauen und werde mich hier wohl schnell wieder verabschieden:
- Die Hubkielkonstruktion ist Mist. Die Kurbelei an einer blöden Stelle und die Kiste in der Kajüte würde ich nur für überragendes Segelverhalten ertragen. Und ich muss leider regelmäßig Kurbeln, wenn es in die Box geht.
- Die Ruderkonstruktion finde ich auch unschön. Hat mal jemand versucht, eine Doppelruderkonstruktion an das Boot zu spaxen?
- Ich brauche keine Stehhöhe in der Kabine, aber aufrecht sitzen wäre schon schön. Geht trotz mitteleuropäischer Durchschnittsgröße nur, wenn man auf der Kante der Sitzbank sitzt
Dass das besichtigte Boot trotz gar nicht so niedrigem Preis einen miesen Allgemeinzustand hatte, hat da auch nicht mehr viel geschadet.

OK, dann schaue ich mich halt wieder bei den polnischen Kleinkreuzern um.

Re: Vorstellung & Fragen

Verfasst: Donnerstag 1. Oktober 2026, 22:17
von donnie
Moin,

Höhe laufen die Dehlyas - so grob 43° TWS, wenn man nicht gerade die 10 Jahre alte Lappen drauf hat. Da machen die älteren, polnischen Konstruktion eher schlapp.
Den Hubkiel kann man bei den Dehlyas mit einem Winchbit und nem vernünftigen Akkuschrauber hoch drehen - so muss man zumindest nicht manuell kurbeln. Bei der 25er kann man es auch elektrifizieren, aber ja - nen Schwert hoch ziehen geht natürlich einfacher und schneller.

Es gibt ein Teleskopruder aus dem Dehlya-Refit der Yacht-Zeitschrift, welches ich mir damals geleistet hatte, aber das kostet wohl eher 50% vom eigentlichen Bootswert einer Dehlya 22 (wenn nicht sogar mehr), aber es passt auch bei der 22er.

Ansonsten gibt es auch einen Beitrag hier im Forum, wie jemand das schwenkbare Blatt vom Klappruder profiliert hat. Doppelruder bei dem schmalen Heck macht wenig Sinn und bei dem schrägen Heckspiegel auch kompliziert. Dazu gibt es hier im Forum jedenfalls nix und gesehen habe ich es auch noch nie.

Für den Preis, den man für eine gepflegte Dehlya zahlt, wüsste ich aktuell keinen Kleinkreuzer, der flinker wäre.

Wenn du um die 20 bis 30k Kaufpreis einplanst, dann schau mal in Richtung Phobos 22, Maxus 22, Storm 22.
Meist etwas günstiger, weil älter: Sportina 680 & Skippi 650 bzw Scandinavia 650 (innen aber auch recht flach).

(Um TES und Viko im Berich 22 Fuß würde ich nen größeren Bogen machen oder nur Regatten fahren, weil man Spaß dran hat, aber das Ergebnis egal ist.)

Handbreit, Kai