Festsitzende (hintere) Winschen

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Franz
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Festsitzende (hintere) Winschen

Beitrag von Franz »

Unser Vorbesitzer hat die hinteren Winschen vermutlich nie benutzt und auch nie gepflegt; beide Winschen saßen fest. Das haben wir zwar bereits beim Kauf festgestellt, aber wir hätten nie gedacht, dass beide Winschen soooo fest sitzen!

Von außen gibt es keinen Zugang zum Inneren der Winsch. Man konnte zwar die zentrale Befestigungsschraube herausdrehen, aber das war`s auch schon.
Es blieben nur 2 Möglichkeiten:
- Beide Winschen mit einer Flex abtrennen und 2 neue Winschen kaufen
- Oder die alten Winschen mittels seeehr großer Rohrzange doch noch lösen

Heute würde ich die Version 1 bevorzugen.
Damals, als absoluter Neuling, habe ich die Winsch ca. 3 cm dick mit stabilem Isolierband (reissfest) umwickelt, einen Arbeitshandschuh darum gelegt, und dann versucht, die Winsch mit besagter Rohrzange millimeterweise zu drehen und gleichzeitig eine Aufwärtsbewegung zu erzielen.
Es ging. Trotz größter Vorsicht, einige Kratzer auf der Winsch waren nicht zu vermeiden. Jede Winsch hat ca. einen Nachmittag schweißtreibende Arbeit erfordert. Das bei den einwirkenden Kräften nicht die gesamte Winsch aus dem Laminat gerissen ist, wundert mich noch heute und spricht für Dehler!

Ursächlich war ein ehemals weißes Kunststoffrohr (Teflon ?), auf den Bildern schwarz durch das Winschenfett. Dieses Teil war eine derart „innige Verbindung“ eingegangen, dass die Winsch wie verschweißt war.

Die Lehre aus der Geschichte: Spätestens alle 2 Jahre die Winschen säubern und fetten! Und keine Angst vor 1000 Einzelteilen, die Standard-Winsch von Harken ist simpel aufgebaut. Hier fällt kein Kugellager auseinander... ;)

Einige Bilder hierzu sind in meiner „Galerie“ zu finden.
Gruß Franz
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Detlev
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Re: Festsitzende (hintere) Winschen

Beitrag von Detlev »

Hallo Franz,

auf meiner DY25 (Bj. 1989) sind die Standardwinchen verbaut (leider keine Selbstholenden!). Vielleicht verstehe ich Dich ja falsch, aber ein Abbau der Winchen ist vermutlich nicht notwendig. Ich habe mir allerdings Deine Fotos noch nicht angesehen, werde das dann aber gleich nachholen.

Meine Winchen habe ich schon 2 mal geöffnet (Reinigung, Winchenfett) und auch einmal abgebaut, um mein Teakholz wieder vom Lack zu befreien. Das geht ganz einfach.

Oben befindet sich ein Sprengring, der die Trommel gegen Hochrutschen sichert. Den drückst Du mit einem Schraubendreher aus der Nut. Bei dieser Arbeit solltest Du vielleicht einen 2. Mann dabei haben, damit wenigstens einer sieht, wo der Ring hingefallen ist, falls er abspringt. Aus diesem Grund würde ich das auch nie machen, wenn das Boot im Wasser ist. Man kann auch einen Lappen über die Winch legen, dann fällt er auf Deck.

Danach kannst Du die Scheibe oben abnehmen. Dann drückst Du die Trommel nach oben und ziehst sie ab. Dazu (wenn es schwer geht) evtl. von 2 Seiten mit Hebeln von unten drücken. Man könnte dabei auch an der Trommel "ruckeln", damit sie sich aus ihrem Fettbett löst. Vielleicht auch vorher etwas anwärmen (Fön), damit das Fett dünner wird? Bitte auf die beiden "Klinken" und die dazugehörigen Federn achten. Wenn die runterfallen, sind sie oft auch gern ein langwieriges Suchobjekt.
Danach alles saubermachen und neues Winchenfett raufgeben. Das hält dann auch wieder ein paar Jahre vor.

Die Demontage der gesamten Winch erfolgt ebenfalls von oben. Wenn die Trommel ab ist, dann siehst Du die Schrauben. Ich hatte damals nur etwas Mühe, weil der gesamte Winchboden mit Sikaflex aufgesetzt war.

Im Zweifelsfall mach bei der Aktion ab und zu ein Detailfoto, damit Du hinterher alles wieder genauso montieren kannst, wie es war. Ich habe auch die Stellung der Winch auf Deck markiert, damit nachher ohne Probieren die gleichen Schraubenlöcher aufeinander kommen.

Auf keinen Fall rohe Gewalt anwenden! Du machst mehr Schaden, als Dir lieb ist. Wenn die Winch wieder sauber ist, dann ist alles wie neu. Bei einer so geringen Nutzung wie auf unseren "Urlaubsschiffen" halten diese Winchen 100 Jahre!
Wechseln würde ich nur, wenn der Wunsch auf "Selbstholende" übermächtig wird. Hier hat mich bisher der Preis immer wieder mit den Füßen auf den Boden zurückgeholt.

Ich bin sehr zuversichtlich, daß Du alles ohne Gewaltanwendung erledigen kannst.

Goodewind Ahoi!

Detlev
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Detlev
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Re: Festsitzende (hintere) Winschen

Beitrag von Detlev »

Hallo Franz,

ich komme eben vom Boot und habe mir nochmal alles angesehen. Bei mir sind die Decks- und die Großschotwinchen identisch. Alle 4 Winchen sind rechtsdrehende Lewmar Single Speed 7. Außerdem habe ich noch Fotos von der Demontage gefunden und heute ein paar neue Bilder gemacht. Ich stelle nachher einige dieser Bilder in meine Bildergalerie.

Die Winchentrommel ist oben mit einem Federring gesichert. Er sieht so ähnlich aus, wie ein Schlüsselring. Wenn man den oberen Teil vorsichtig mit einem kleinen Schraubendreher anhebt, dann kann man den Ring aus der Nut heben.
Danach dann die Trommel mit sanftem Druck mit Hebeln nach oben drücken. Das wars dann eigentlich. Innen in der Trommel sind dann oben und unten je 2 Klinken mit Federn.
Die Winch selbst ist dann mit 3 Maschinenschrauben auf dem Winchenpodest verschraubt (vermutlich Alublech mit entsprechendem Gewinde) und ggf. mit Sikaflex auf dem Deck gedichtet.

Wenn Du also die gleiche Winch haben solltest, dann geht das ganz einfach und auf jeden Fall gewaltfrei. Auf jeden Fall würde ich die Winch vor dem Hochdrücken anwärmen, damit das Fett weich wird.

Der Wincher (auf dem Foto der blaue Gummiring) auf den Großschotwinchen hat sich übrigens nicht bewährt und kommt zur nächsten Saison wieder runter. Dafür werde ich mir an beiden Winchen eine Schotklemme anbauen.

Viel Erfolg!

Goodewind Ahoi!

Detlev
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Franz
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Re: Festsitzende (hintere) Winschen

Beitrag von Franz »

Hallo Detlef,
vielen Dank für die Mühe die du dir gemacht hast! Nur damit wir uns nicht falsch verstehen:
Das Problem mit den Winschen ist lange erledigt (siehe Text). ;) Ich wollte eigentlich nur darauf aufmerksam machen, dass eine regelmäßige Pflege der Winsch angeraten ist.

Ich konnte es ja auch nicht glauben, aber die Trommel war wie angeschweißt. An ein Abziehen der Trommel nach oben war gar nicht zu denken. Der Einsatz eines Heißluftgebläses brachte damals auch nichts; vermutlich war das Teflonrohr aufgequollen. Auch nachdem alle Teile offen vor mir lagen, konnte ich mir immer noch nicht erklären, wie die Trommel derart fest sitzen konnte (siehe Bilder). EIn "Kaltverschweissen" (Metall auf Metall) war nicht gegeben und auch nicht möglich.

Die Methode mit der Rohrzange ist bei einer deartigen Schwergängigkeit natürlich absoluter Quatsch und gefährlich, aber damals wusste ich`s nicht besser und wollte wohl auch keine neuen Winschen kaufen.

Gruß Franz
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Detlev
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Re: Festsitzende (hintere) Winschen

Beitrag von Detlev »

Hallo Franz,

dann hast Du wirklich eine böse Erfahrung hinter Dir! Wenigstens war das jetzt ein Anstoß, sich mal wieder mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und das mit dem positiven Nebeneffekt, daß ich mich aus diesem Anlaß gleich noch mit dem Einfügen von Fotos anfreunden konnte. Vielleicht können ja andere Dehlyaner von unserem Dialog profitieren?!

Was hast Du jetzt für Winchen auf Deiner Dehlya?

Goodewind Ahoi!

Detlev (... bitte mit "V")
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Werner
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Re: Festsitzende (hintere) Winschen

Beitrag von Werner »

Hallo Detlef, Hallo Franz,

da ihr euch gerade so ausführlich über Winschen auslasst, eine Frage: Bei der D22 sind rundrum 6er Lewmar eingebaut. Da ich mit dem Gedanken spiele, auf ST-Winschen umzurüsten, würde es mich interessieren, ob es ST-Winschen gibt, die von den Befestigungsbohrungen auf Lewmar 6 passen würden.

Gruß
Werner
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Detlev
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Re: Festsitzende (hintere) Winschen

Beitrag von Detlev »

Hallo Werner,

ich glaube, das ist gar nicht so wichtig. Du kannst neu bohren und Gewinde schneiden.
Unter dem Winchen-Podest ist vermutlich eine Alu-Platte einlaminiert. Man könnte sicher auch durchbohren.

Goodewind Ahoi!

Detlev
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Franz
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Re: Festsitzende (hintere) Winschen

Beitrag von Franz »

Hallo Detlev
Hallo Werner

Auf den 22ern die ich kenne, sind überall 6er Winschen von Harken verbaut worden.
Hier ein Link nach Harken: In der PDF-Datei sind alle Bauteile dargestellt und die Wartung wird gut beschrieben.
http://www.harken.com/pdf/6_04.pdf

Gruß Franz
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DEY674
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Re: Festsitzende (hintere) Winschen

Beitrag von DEY674 »

Moin Detlev,

sag mal, Du spricht bez. der Cockpitwinschen von Großschotwinschen ... was hast Du denn für ein Großschotsystem? Lenkst Du die Großschot auf die Winschen um? Hast Du ein German Mainsheet System auf Deiner Dehlya? Wie fährst Du dann die Fock-/Genuaschot?

Habe/hatte übrigens auch die Lewmar Single Speed 7 und habe die Cockpitwinschen gerade demontiert, da ich auf meiner Dy 25 selbstholende Winschen (Harken STA 16) installieren will. In der Tat: im Winschsockel ist eine Aluplatte einlaminiert und jeweils Gewinde eingeschnitten. Allerdings waren die Winschen werftseitig bei mir mit jeweils 5 Schrauben befestigt.

Moin Franz,

mögliche Ursachen für extrem festsitzende Winschen sind häufig zu starke Belastungen: z.B. wenn beim Trailern die Spanngurte an den Winschen festgemacht werden oder die Winschen im Hafen als Ersatz für Springklampen dienen. Ich glaube kaum, dass allein mangelnde Wartung solche Folgen haben kann.

Seglergruß

Tobias
Fair winds and happy sailing!
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Franz
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Re: Festsitzende (hintere) Winschen

Beitrag von Franz »

Hallo Tobias,
da magst du wohl Recht haben. Trotzdem verstehe ich nicht wie das passieren konnte. In dieser simplen Winsch ist doch nur ein bisschen Alu und Plastik verbaut. Bei einer Kombination "Edelstahl auf Edelstahl" wäre alles klar, hier könnte es zu einer Kaltverschweissung kommen. Ob zwischen Kunststoff und Alu im Kombination mit vergammeltem Winschenfett wohl derart große Adhäsionskräfte entstehen können? Im Nachhinein möchte ich lieber nicht wissen, mit wie vielen Nm ich der Winsch zu Leibe gerückt bin. Die Rohrzange war bestimmt 1m lang...
Gruß Franz
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