Kann ja mal passieren

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Navidad
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Registriert: Freitag 1. Oktober 2010, 17:55

Kann ja mal passieren

Beitrag von Navidad »

Hallo zusammen,
ich kann Euch gar nicht beschreiben, wie ich die Nase davon voll habe, ich einer kalten, schlecht beleuchteten Scheune an meiner neuen gebrauchten Dehlya 22 herum zu schrauben. Nach jedem abgearbeiteten Mangel finde ich zwei neue (oder mache selber neue).
Heute wollte ich die ausgerissenen hinteren, selbstschneidenen Schrauben des Mastkokers gegen in Harz eingeklebte M6 Gewindebolzen austauschen. Um mehr Kraft übertragende Fläche zu bekommen (das Deck ist bereits nass und weich) und ordentlich Epoxi einfüllen zu können habe ich die Schraubenlöcher auf ca. 1cm Durchmesser aufgebohrt. Als Bohrgut trat nur ein brauner nasser Brei an die Oberfläche. Nach meinen Berechnungen ist das Deck 28 mm dick. Ich habe also 25mm tief gebohrt und die Bolzen eingesetzt. Mit leichtem Druck auf den Bolzenkopf wollte ich mich vor dem Einfüllen des Harzes vergewissern, dass der erste Bolzen auch tief genug im Loch sitzt, 25 mm Einbindetiefe sind schließlich nicht viel. Plötzlich machte es metallisch “Plopp“ und der Bolzen verschwand im Schwertkasten.
Kann ja mal passieren.
Jetzt zu meinen Fragen. Kann der ca. 5cm lange Bolzen im Schwertkasten bleiben oder ist davon auszugehen, dass er das Schwert blockieren, bzw. festklemmen wird? Muss der der Schwertkasten geöffnet werden? Wird bei einer routinemäßigen Kielinspektion der Schwertkasten geöffnet?
Grüße
Michael
Das Beste gegen Sonnenbrand - Ferien im Sauerland
Loctite
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Re: Kann ja mal passieren

Beitrag von Loctite »

tut mir leid das du ärger hattest . ich würde den bolzen auf jeden fall versuchen rauszuholen. schnur mit magnet dran oder eine ähnliche lösung.
ich wünsche dir trotz allem glück , bei den restlichen arbeiten.
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sailor
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Re: Kann ja mal passieren

Beitrag von sailor »

Hallo Michael,
mit dieser Art von Reparatur wirst Du mit 100% Sicherheit nicht glücklich.
Da hilft nur eins Deck aufflexen das verrottete Holz herausnehmen
und neu aufbauen wie das im Detail gemacht wird habe ich früher
schon mal beschrieben.
Gruß
sailor
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Ventix
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Re: Kann ja mal passieren

Beitrag von Ventix »

Hallo Navidad,

nur Mut, da kommen auch wieder bessere Stunden <img src="{SMILIES_PATH}/icon_e_biggrin.gif" alt=":D" title="
Beste Grüße

Ventix
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Uli
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Re: Kann ja mal passieren

Beitrag von Uli »

Hallo Michael,
wie schon von Sailor vorher geschrieben wird die Reparatur so nichts bringen. Ich halte sie sogar für sehr gefährlich.
Der Mastfuss ist ein absolutes Kraftzentrum am Boot. Hier wirken sowohl starke statische als auch sehr starke dynamische Kräfte in alle möglichen Richtungen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass dir innerhalb kurzer Zeit beim Segeln der Mastfuss ausbrechen wird und ein kippender Mast / Mastbruch die Folge sein wird.
Also..... lange Rede kurzer Sinn.
Mit einem Fein Multimaster das Deck aufflexen (Bilder sind genug in der Galerie, Vorgehensbeschreibungen ebenso im Forum) und das marode Holz rausholen. Dann eine neue Platte (aus Alu oder besser Edelstahl) einsetzen und das Deck neu aufbauen. Das ist meiner Meinung nach keine Arbeit für einen Laien. Ich bin handwerklich wirklich gut drauf und kann auch mit Harz und Härter umgehen.........
aber............
diese Reparatur habe ich in 2001 von einer Werft an meinem Boot durchführen lassen. Das war mir sicherer.
Hat damals übrigens rund DM 1500.- gekostet, jedoch ohne Politur des Decks. Soll heissen, die Werft hat das Gelcoat nur auf die Reparaturstelle mit einer Lammfellrolle aufgebracht.
Den Feinschliff und anschliessende Politur (reine Handarbeit) habe ich dann durchgeführt, wass die Kosten deutlich gesenkt hat.

Anbei nochmal 3 Fotos, die auch in der Galerie stehen, hier jedoch wesentlich höher aufgelöst sind.
Bei so defektem Holz hilft einfach kein Einsetzen der Schrauben in einen Epoxidpropfen.
Ach ja........ bei den derzeitigen Temparaturen ist ein sinnvolles Arbeiten mit Epoxid nicht möglich. 15 besser 20 Grad sollten es sein.

Viele Grüsse
Uli
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Detlev
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Re: Kann ja mal passieren

Beitrag von Detlev »

Hallo Michael,

da hast Du wirklich keinen schönen Start mit Deinem Schiff. Ich hoffe sehr, daß Du keine weiteren bösen Überraschungen erleben mußt und daß Du die notwendige Reparatur gut hinbekommst.

Bei der Reparatur des Decksbereiches unter Deinem Mastkoker auch von mir der Rat, die wesentlichen Arbeiten erst im Frühjahr durchzuführen. Ich würde jetzt alles vorbereiten und vor allem dafür Sorge tragen, daß die "Baustelle" gründlich austrocknen kann. Das verrottete Material muß komplett raus, damit sich die Sanierungsarbeiten lohnen. Es wäre schade um die ganze Arbeit, wenn Du hier nur "kosmetische Maßnahmen" machst.

Für die Reparatur würde ich auf jeden Fall Epoxydharz (kein Polyester) verwenden. Es macht auch keinen Sinn, Arbeiten mit Harz bei zu niedrigen Temperaturen auszuführen. Man kann zwar bei der Temperatur am Material etwas "nachhelfen", braucht aber schon eine geeignete Umgebungstemperatur (vor allem im Material). Schau mal in die Verarbeitungsvorschrift (findest Du auch im Internet).

Ansonsten hast Du ja insofern "Glück", daß Uli das alles bereits hinter sich hat und Du von ihm sehr praxistaugliche Ratschläge erhalten kannst.

Goodewind Ahoi!

Detlev
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Ventix
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Re: Kann ja mal passieren

Beitrag von Ventix »

Hallo Detlev,

ich frage mich manchmal, warum Hobbybootsbauer eigentlich fast alles mit Epoxi reparieren bzw. ausbessern wollen oder müssen? Unsere Schiffe wurden schließlich "nur" aus glasfaserverstärktem Polyester gebaut - und die halten auch.

Epoxi ist teuer, gruchslos(!) giftig und man muss sehr exakt die Mindesttemperaturen und Mischungsverhältnisse einhalten.
Polyester ist relativ günstig, ist auch giftig aber in der Verarbeitung etwas unkomplizierter.

Grüße
Ventix
Beste Grüße

Ventix
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Detlev
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Re: Kann ja mal passieren

Beitrag von Detlev »

Hallo Ventix,

ich habe den Hinweis bezüglich der bevorzugten Verwendung von Epoxy an Stelle von Polyester für Reparaturarbeiten am Boot schon öfter gegeben und will gern noch mal erläutern, warum ich das so sehe. Es geht sicher für fast alle Reparaturarbeiten auch mit Polyesterharz, Epoxydharz ist nach meinem Dafürhalten aber deutlich überlegen.

Man baut Schiffe aus Polyester, weil es billiger ist (bei einem Rumpf mit einer halben Tonne Harz sicher auch eine spührbare Investition). Polyester ist gut geeignet, daraus in einer Form und unter Verwendung von stabilisierenden Elementen auch große und tragfähige Teile herzustellen. Polyester hält auch "prima auf sich selbst". Der erste Nachteil kommt dann am Ende der Arbeiten. Polyester bleibt von Hause aus an der Oberfläche klebrig. Das kann man verhindern, indem die letzte Schicht unter Luftabschluß aushärtet (z.B. unter einer formschlüssigen Abdeckung mit Folie). Eine eventuell aufgebrachte Gelcoat sorgt dann für ein gutes Finish.

Epoxydharz hat demgegenüber bei Reparaturarbeiten große Vorteile. Es haftet besser auf anderen Materialien (auch auf Polyester) und es härtet auf der Oberfläche komplett aus. Damit bin ich bei Reparaturen immer in der Lage, vor dem Weiterarbeiten notwendige mechanische Arbeiten (z.B. Schleifen der Oberfläche) problemlos auszuführen.

Deshalb habe ich mich entschieden, bei Reparaturarbeiten grundsätzlich Epoxydharz zu verwenden und habe damit durchweg nur gute Erfahrungen gemacht. Das geht in meiner Praxis von kleinen Reparaturen bis zur Beschichtung des Unterwasserschiff einer Piratenjolle aus Holz.

Ich denke auch, daß der Hauptaufwand nicht das Material, sondern die Arbeitszeit ist. Unter diesem Aspekt kommt es für mich bei Reparaturen überhaupt nicht darauf an, ob ich für das Harz 10 oder 20 Euro ausgebe. Bei den vielen Stunden möchte ich einfach sicher sein, daß das Arbeitsergebnis meinen Erwartungen entspricht. Deshalb verwende ich für Reparaturarbeiten am Boot (dessen Körper selbstverständlich in der Regel aus Polyester besteht) ausschließlich Epoxydharz. In der Regel sind die benötigten Mengen an Harz ohnehin die kleinste erhältliche Gebindegröße. Damit besteht kaum die Gefahr, daß der nächste Urlaub wegen der Materialkosten ins Wasser fallen muß. Wenn ich aber evtl. die Reparatur wiederholen muß, nur weil ich am falschen Ende gespart habe, dann kann das schon mal einen geplanten Törn in Frage stellen.

Man sollte übrigens bei beiden Materialien die notwendige Sorgfalt walten lassen.
- Schutz von Haut und Augen
- Einhalten der Temperaturen (Harz und "Baustelle")
- Einhalten der Mischungsverhältnisse (prima geht eine elektronische Brifwaage (geschützt unter einer durchsichtigen Plastikfolie
- (wenn möglich) die Hilfe durch einen 2. Mann (mit sauberen Händen) für das Zuschneiden der Glasmatten und andere Arbeiten, die mit verklebten Gummihandschuhen nicht gehen.
- die Mischung nicht "totrühren" (bei übertriebenem Rühren härtet sie sehr schnell aus ... und wird extrem heiß)

Wenn man sauber arbeitet und die Reste der beiden Komponenten ordentlich lagert (gut verschlossen, frostfrei, dunkel), dann kann man damit noch mehrere Jahre arbeiten (oder einem anderen Sportfreund bei einer kleineren Reparatur den Kauf eines neuen Gebinde ersparen).

Goodewind Ahoi!

Detlev
Zuletzt geändert von Detlev am Montag 14. Februar 2011, 18:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Uli
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Re: Kann ja mal passieren

Beitrag von Uli »

Hallo Detlev,
Antwort 1+ , dem ist nicht hinzuzufügen. So sehe ich es auch.
Wobei....... ich habe glücklicherweise in der Verwandschaft jemanden, der beruflich den ganzen Tag mit Epoxid zu tun hat und mich somit extrem günstig mit tollem Material versorgt.

Gruss
Uli
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