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Re: Ist das Osmose???

Verfasst: Mittwoch 6. April 2011, 11:21
von Rumpel
Hallo Michael,
ich danke dir für deine ausführliche Antwort.
Nach dem was hier (insgesamt) geschriebenen wurde, und wenn ich mir mein Boot so ansehe, bin eigentlich erst einmal beruhigt.
Mal sehen wie das im Sommer oder zum Ende der Saison beim Auskranen aussieht.... Denn ich denke jetzt nach der Winterpause, schön zugedeckt an einem luftigen Standplatz, kann die ein oder andere Blase auch schon wieder ausgetrocknet sein. Aber wenn das Boot dann frisch aus dem Wasser ist.... <img src="{SMILIES_PATH}/icon_e_surprised.gif" alt=":o" title="

Re: Ist das Osmose???

Verfasst: Mittwoch 6. April 2011, 11:42
von Navidad
Hallo Martin,
mein Schwiegervater hatte eine Neptun 22 die über 25 Jahre lang, 365 Tage im Jahr im Wasser lag. Das Boot hatte keinerlei Unterwasseranstrich, nicht mal einen Antifoulinganstrich. Als wir das 35 Jahre alte Boot letztlich verkauften war von Osmose absolut nichts zu sehen.
Der angebliche Grund für die Osmoseresistenz den Neptunboote ist ein angeblich besseres Verhältnis zwischen Harzanteilen und Füllstoffanteilen (z.B. Glasfasergewebe). Der Harzanteil soll bei den Neptuns wesentlich höher sein.
Ob das wahr ist weiss ich natürlich auch nicht.
Gruß
Michael

Re: Ist das Osmose???

Verfasst: Donnerstag 7. April 2011, 00:22
von FSA Segelsport
Hallo Martin,

also, das Schleifbild lässt eindeutige Schlüsse auf erste osmotische Reaktionen zu. Die weißen kleinen Kuppen sind weder "aufgeblähte VC - Schichten" noch irgendwelche alten Anstriche.
Es handelt sich hierbei um die orignal Gelcoat-Schicht. Wenn du so ein Punkt weiter ausschleifen würdest, gelangst du auf die Laminatschicht (farblich dunkelgrün/gräulich).
Es werden mit Sicherheit keine anderen Schichten zum Vorschein kommen. Wenn du die Stelle so weit schleifst, das das Laminat ca. handteller groß erscheint, kannst du auch die
Gewebestruktur des Laminats erkennen - keine Angst, das kannst du nachher wieder mit 2K- Epoxyspachtel auffüllen und beischleifen.

Warum kommen diese Punkte zu Vorschein : beim Anschleifen des U-Schiffes trägst du Schichten ab und an den Stellen, die erhaben sind, ist der Altanstrich natürlich zuerst weg und
so kommen die vorher unsichtbaren Kuppen der Bläschen zuerst zum Vorschein.

Eine Blase zu öffnen und krampfhaft nach essigriechender Flüssigkeit zu suchen, macht natürlich keinen Sinn wenn das Boot schon mehere Wochen in der Winterlagerhalle stand.
Der Blaseninhalt trocknet natürlich aus, wenn der Rumpf nicht dauerhaft der Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Dieser Test funktioniert also nur einige Wochen nach dem Auskranen.

Die Messung des Feuchtigkeitsgehaltes im Laminat gibt da schon mehr Aufschluß auf den Zustand. Bei D22/25 kann man hierbei natürlich den Bereich des Doppelbodens (Wasserballast)
ausklammern - der ist immer feucht !

Auch wir haben bisher kein Schiff wegen Osmose sinken sehen. Es dauert Jahre, bis Osmose das Laminat so weich werden lässt, das es undicht wird. Ein Beispiel : Wir haben unter anderem
eine Hai 710 (ca. 35 Jahre alt) im Winterlager. Der Kunde weiß um sein Osmoseproblem schon seit über 18 Jahren. Er möchte jedoch nichts weiter investieren, da er das Schiff weder verkaufen
will noch in einem Alter ist, in dem er sich an einem schönen und glatten Unterwasserschiff die nächsten 20 Jahre erfreuen kann. Die anfänglichen kleinen Bläschen haben sich jedoch zu 2-€ großen
Erhebungen flächendeckend über den geamten Rumpf verteilt. Das Boot ist aber nach wie vor dicht - mehr aber auch nicht.

Bezüglich Osmose bei Neptun-Yachten können wir bestätigen, da0 hier im Gegensatz zu Dehlya 22/25, Osmose trotz fehlender Schutzanstriche seltener auftritt. Aber auch hier haben wir die
Historie diverser Neptun 22 oder auch 25 verfolgt und der Eigner hatte 26 Jahre lang Glück - im 27igsten Jahr jedoch, hatte es ihn erwischt.

Genauso wurden bei uns schon Boote saniert, die lediglich 4 Jahre alt waren (z.Bspl. Sunfast 20, Unna 24, Etap 23i, u.s.w.). Es steckt keiner drin !

Unsere Empfehlung bei anfänglicher Osmose speziell bei Dehlya 22/25 unter Berücksichtigung der Besonderheit, das die Schiffe einen Wasserballast haben und man Osmose von innen her nicht
ausschließen kann, ist ein komplettes Abschleifen sämtlicher Altanstriche (vorhandene Grundierungen, Antifloulings, u.s.w.), hierbei das Gelcoat scharf anschleifen (80er Körnung) und dann
die gesamte Winterlagerzeit stehen lassen. Im Frühjahr den Wasserpass sauber abkleben, 9 Schichten VC Tar / Gelshield 200 oder vergleichbare Produkte aufbringen, nach Aushärtung
Zwischenschliff um eine möglichst glatte Oberfläche zu erhalten und dann 2 Anstrichen Antifouling auftragen (Antifouling hat nichts mit Osmoseschutz zu tun, sondern dient lediglich dazu,
den Bewuchs am Unterwasserschiff einzudämmen). Hierdurch kann man zumindest ausschließen, das zukünftig Feuchtigkeit von aussen in den Rumpf eindringt. Sollte hin und wieder mal
ein einzelnens Bläschen auftauchen, kann man dies lokal nachbehandeln.

Auf Wunsch mailen wir dir ein paar Bilder, die deinen Aufnahmen sehr ähneln - ist aber nicht dein Schiff sondern es sind Fotos zig anderer, betroffener Eigner.

FSA Segelsport

Re: Ist das Osmose???

Verfasst: Donnerstag 7. April 2011, 09:30
von Rumpel
Also doch... :(

Auch wenn ich es eigentlich nicht wahrhaben wollte hab ichs dann doch unterschwellig schon befürchtet.
Aber so wie ich deine Antwort lese ist eine "Komplettsanierung" mit Abschliff bis aufs Laminat wohl noch nicht nötig??!
Der von dir beschriebene Arbeitsumfang ist ja noch überschaubar ... zumal er sich auf Ende und Anfang der Saison verteilt. So 2 Wochen am Stück unter dem Schiff zu verbringen hätte ich wohl keine Möge ;)
--
Wenn Ihr Bilder hättet wie man sein Schiff für solche Arbeiten abstützt ... da wär ich schon dran interessiert. Das Antifouling hab ich jetzt mit Boot auf dem Trailer aufgebracht. Erst vorn angehoben, dann hinten erst die eine und dann die andere Seite, um auch alle Stellen zu erwischen. War etwas nervig!
Wenn solche Bilder vorhanden sind, oder eine Idee wie man das am sinnvollsten macht; sehr sehr gern <img src="{SMILIES_PATH}/icon_e_smile.gif" alt=":)" title="L

Re: Ist das Osmose???

Verfasst: Donnerstag 7. April 2011, 19:57
von Ventix
Hallo Martin,

lass Dich nicht kirre machen.
Wenn Du mal über den Deister auf die andere Seite kommst, schau mal vorbei.

Grüße
Ventix

Re: Ist das Osmose???

Verfasst: Freitag 8. April 2011, 20:53
von Loctite
hallo martin
zunächst mal eine frage , kann es sein , dass dein erster antifoulinganstrich , oder irgendeine aufgetragene grundierung weiß oder hell war ? sind die bläschen definitiv im laminat/gelcoat oder in irgendeiner farbschicht ?
solltest du im ernstfall eine werft beauftragen , achte besonders auf die zugesicherten garantien bzw , gewährleistungen.

Re: Ist das Osmose???

Verfasst: Sonntag 10. April 2011, 05:27
von Rumpel
Moin,
also mit letzter Sicherheit kann ich das nicht sagen.... aber der erste Eindruck war dass die hellen Stellen vom Gelcoat kommen; bzw das Gelcoat sind.
Da ich die Geschichte des Schiffes nicht kenne; nur weis dass der Vor-Eigner eben "nichts" gemacht hat, gehe ich davon aus dass sich das Schiff im Originalzustand befindet. Wie dieser (Originalzustand) aussieht weis ich leider nicht (ob da ggf irgendwelche Grundierungen hochkommen können??)
Gruß,
Martin

PS: Als das Schiff gestern am Kran hing konnte ich mir das Unterwasserschiff mal in seiner vollen Ausdehnung ansehen - und es war glatt und eben wie der berühmte Kinderpopo <img src="{SMILIES_PATH}/icon_e_smile.gif" alt=":)" title="L

Re: Ist das Osmose???

Verfasst: Sonntag 10. April 2011, 13:52
von Dödel
FSA Segelsport hat geschrieben:Wenn du die Stelle so weit schleifst, das das Laminat ca. handteller groß erscheint, kannst du auch die
Gewebestruktur des Laminats erkennen - keine Angst, das kannst du nachher wieder mit 2K- Epoxyspachtel auffüllen und beischleifen
Genau so gemacht, wird es dann völlig falsch.

*Nie* Spachtel direkt aufs Laminat. Vorher immer mit dünn-viskosem Epoxy versiegeln.
Aber vorher trocknen, trocknen und nochmals trocknen und *nie* unter 20^C verarbeiten.

Spachtel hält nur auf geschliffenem Gelcoat oder Harz.
Kommt die Spachtelmasse direkt aufs Gewebe, wird sie vom Wasser hinterlaufen, garantiert und mit Ansage.

Ich werde diesen Sommer mein UW-Schiff mit Epoxy-Produkten von Wilkens sanieren.
http://www.wilckens.com/
Ein Vereinskamerad ist mit seiner Selbstsanierung bereits 15 Jahre zufrieden. Selbst Peter Wrede gibt für eine Osmosesanierung nur 6 Jahre Garantie. http://www.youtube.com/watch?v=jw-w1OzUxbo

Aber Achtung: Es ist dringend zwischen einer Osmosesanierung und einer Osmosevorsorge zu unterscheiden.
Eine Osmosevorsorge wird immer aufs Gelcoat aufgetragen (VCTAR Gelshield Lightprimer Interprotect Primocon), eine Osmosesamierung aufs Gewebe.
Wer aufs Gewebe aufspachtelt und eine Osmosevorsorge direkt auf den Spachtel aufträgt, verschwendet Geld, Zeit und viel Arbeit um den Murks hinterher wieder zu beseitigen.

Bei Wilkens gibt es auch das Primocon. Das Gold-Primocon ist am besten und nur hier erhältlich. Die Liefermenge von 20kg müsste man sich allerdings mit Vereinskameraden teilen, ebenso das Antifouling.
Das ist aber in meinem Verein kein Thema. Dafür bekommt man Anstrichsysteme besserer Qualität, als aus dem üblichen Yachtbedarf-Versand und zudem preiswerter.

Hier noch Hinweise
http://www.boote-forum.de/showthread.php?t=19645
http://www.ott-yacht.de/de/service/osmose-7.html
http://www.vonderlinden.de/index.php?op ... &Itemid=72
http://www.yachtcare.de/index.php?id=953
Privatkopie http://www.mydarc.de/dl6lat/teleskop%20file0021.PDF

Hinweis auf eine Temperkammer auf S.93
http://www.vosschemie.de/fileadmin/user ... chtung.pdf


Peter

Re: Ist das Osmose???

Verfasst: Dienstag 3. Mai 2011, 23:16
von FSA Segelsport
Hallo Peter,

es geht bei dem handtellergroßen Probeschliff bei Martin darum, festzustellen ob die sichtbaren weißen Kuppen wirklich das original Gelcoat
(unsere Meinung) oder eventuell irgendeine alte Grundierung (Meinung anderer) ist. Solche Probestellen werden nun einmal mit 2K-Epoxyspachtel
ausgebessert, da hier keine Lösungsmittel zum Einsatz kommen.

siehe auch : http://www.yachtpaint.com/deu/diy/ask-t ... smose.aspx

Hier wird definitiv nichts falsch gemacht und ist bei vielen Werften ein gängiges Prozedere, um die eigentliche Gelcoatschicht zu definieren.

Also wir glauben nicht, das Europas größster Yachtfarbenhersteller für solche Anwendungen die falschen Produkte empfiehlt.

FSA

Re: Ist das Osmose???

Verfasst: Mittwoch 4. Mai 2011, 07:25
von Rumpel
Moin <img src="{SMILIES_PATH}/icon_e_smile.gif" alt=":-)" title="L